Der Alte Friedhof in Offenbach am Main liegt an der Friedhofstraße und gilt als einer der bedeutendsten historischen Friedhöfe der Stadt. Angelegt wurde er 1832 auf einer damals rund zehn Hektar großen Fläche etwa 500 Meter östlich der damaligen Siedlungsgrenze. Er ersetzte den bisherigen Stadtfriedhof am heutigen Wilhelmsplatz, der durch die zunehmende innerstädtische Bebauung sowie aus hygienischen Gründen nicht mehr tragbar war. Offiziell eingeweiht wurde der Friedhof am 16. Dezember 1832 mit der Beisetzung des Frankfurter Kaufmanns Johann Kugler; gleichzeitig wurden entlang der Friedhofsmauer fünfzig Erbbegräbnisstätten versteigert.
Eine Besonderheit des Alten Friedhofs ist die enge räumliche Verbindung mit der jüdischen Bestattungstradition Offenbachs: Mit der Anlage des neuen Friedhofs wurde auch der bisherige jüdische Friedhof aufgegeben, seine Grabsteine und sterblichen Überreste wurden auf das neue Gelände überführt und dort erneut beigesetzt. Christlicher und jüdischer Teil des Friedhofs gehen bis heute nahtlos ineinander über, ein ungewöhnliches und kulturhistorisch wertvolles Zeugnis.
Auch in der Geschichte der Feuerbestattung spielt der Alte Friedhof eine Vorreiterrolle: 1899 wurde hier das fünfte Krematorium Deutschlands in Betrieb genommen, das Gebäude selbst existiert heute nicht mehr, aber die Anlage markiert den frühen Beginn der Offenbacher Kremationstradition, die später mit dem Krematorium am Neuen Friedhof fortgesetzt wurde. Der ältere Teil des Friedhofs steht aufgrund seiner prägenden alten Platanenallee und seines historischen Baumbestands unter Denkmalschutz.
Heute ist der Alte Friedhof neben seiner Funktion als Ruhestätte vor allem ein bedeutender Erinnerungs- und Kulturort. Zahlreiche prominente Persönlichkeiten der Offenbacher Stadt- und Kulturgeschichte liegen hier begraben, und regelmäßige Führungen machen den Friedhof als „magischen Ort voller Merkwürdigkeiten und berühmter Namen“ erlebbar.